|
Baden-Württemberg Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen
Österreich
Schweiz
|
Einen Test, der direkt die Legasthenie misst gibt es gegenwärtig noch nicht.
Im Forschungsbereich wird wohl aktuell anhand von Bildgebungsverfahren versucht,
eine Legasthenie genau diagnostizieren zu können, doch spielen diese Verfahren
in der Praxis keine Rolle.
Der Legasthenie Test besteht in der Praxis aus der Anwendung eines
Rechtschreibtests, Lesetests und Intelligenztests. Zur weiteren Abklärung wird
ein ausführliches diagnostisches Gespräch mit den Eltern geführt. Um
auszuschließen, das die Lese- und Rechtschreibproblematik ihre Ursachen in
psychischen Faktoren (z.B. Schulangst) hat oder ausschließlich auf
Aufmersamkeitsprobleme zurückzuführen ist, werden zusätzlich werden weitere
Verfahren (z.B. projektive Tests) durchgeführt.
1. Welche Tests werden durchgeführt?
|
Erfassung
der...
|
Testart
|
Testname
|
|
Rechtschreibfähigkeit
|
normierter
Rechtschreibtest
|
WRT,
DRT, HSP
|
|
Lesefähigkeit
|
normierter
Lesetest
|
ZLT,
SLT
|
|
Intelligenz
|
Intelligenztest
|
HAWIK,
CFT, K-ABC
|
|
psychische
Befindlichkeit
|
klinischer
Test
|
DTK,
AFS, Tiere in Bilder
|
|
Aufmerksamkeit
/ Konzentration
|
Konzentrationstest
|
TAP
|
|
Vorgeschichte
/ Anamnese
|
Fragebogen
und Gespräch
|
Diverse
|
Der sogenannte Legasthenie-Test ist also ein Vorgehen aus verschiedenen
Verfahren, um am Ende dieser diagnostischen Phase eine Aussage treffen zu
können, ob bei dem untersuchten Kind eine Legasthenie vorliegt. Hier noch einige
kurze Anmerkungen zu den Tests.
- Der Rechtschreibtest wird durchgeführt, um wirklich festzustellen, ob eine
sehr geringe Rechtschreibfähigkeit vorliegt. Dasselbe gilt für den Lesetest.
- Der Intelligenztest wird durchgeführt, um festzustellen, ob die schlechte
Rechtschreibung beispielsweise auf eine erniedrigte Intelligenz zurückzuführen
ist. Viel wichtiger ist jedoch die Information, wie groß der Unterschied
zwischen der Leistungsfähigkeit in der Rechtschreibung und in der Intelligenz
ist. Dafür werden beide Testergebnisse in T-Werte umgerechnet. Beispiel: Liegt
beim Kind eine durchschnittliche Intelligenz vor (T-Wert: 50) und im
Rechtschreibstest ein T-Wert von 36 besteht eine T-Wertdifferenz von 14. Für die
Diagnose der Legasthenie muss mindestens ein T-Wertunterschied von 10
T-Wertpunkten bestehen.
- Der Test zur Erfassung der “psychischen Befindlichkeit” bringt die
Information, inwieweit sich durch die Legasthenie schon eine psychische
Folgesymptomatik abgezeichnet hat oder ob die schlechte Rechtschreibung auf
eventuelle psychische Probleme zurückzuführen ist.
- Die Erfassung der Vorgeschichte wird im Rahmen der Anamnese durchgeführt und
ist für den Diagnostiker von sehr großem Wert.
- Der Aufmerksamkeitstest gibt Aufschluss darüber, ob ADHS vorliegt.
2. Wer führt den Legasthenie Test durch? Der
Rechtschreib- und Lesetest kann auch von Schulpsychologen durchgeführt werden.
Eine umfassende Diagnostik kann jedoch nur der Kinder- und Jugendpsychiater
durchführen. In jeder größeren Stadt gibt es Kinder- und Jugendpsychiatrische
Praxen. Der Kinder- und Jugendpsychiater ist ein Mediziner, der sich auf
psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert hat. Er
stellt am Ende der Untersuchungen ein Attest aus, das bestätigt, dass das Kind
eine Legasthenie aufweist. Hier steht jedoch nicht Legasthenie sondern der
Fachbegriff Lese- und Rechtschreibstörung.
Achtung: In der Regel werden von der Schule nur Atteste anerkannt, die vom
Kinder- und Jugendpsychiater erstellt wurden.
- Lehrer empfehlen häufig einen Termin beim Schulpsychologen. Dieser führt ein
Gespräch mit den Eltern, einen Lesetest und einen Rechtschreibtest durch. Der
Schulpsychologe kann auch eine Lese-Rechtschreibschwäche diagnostizieren, jedoch
keine Legasthenie (da der Schulpsychologe nicht die anderen Tests durchführt).
- Hat der Schulpsychologe einen starken Verdacht auf eine Legasthenie verweist
er schließlich zur weiteren Diagnostik auf den Kinder- und Jugendpsychiater.
- Besteht eine sehr lange Warteliste beim Schulpsychologen und sollte
möglichst zügig Klarheit herrschen, kann man auch direkt zum Kinder- und
Jugendpsychiater gehen.
- Achtung: nur der Kinder- und Jugendpsychiater kann Atteste über Legasthenie
erstellen, die von der Schule anerkannt werden können bzw. anerkannt werden
müssen.
Liegt beim Kind also eine Legasthenie vor, wird das Legasthenie-Attest (vom
Kinder- und Jugendpsychiater) in der
Schule (Direktor) eingereicht. Die Rechtschreibung wird nun nicht mehr gewertet,
d.h. Diktatnoten fließen in die Zeugnisnote nicht mit ein. Auch das Lesen wird
nicht mehr benotet. Häufig erhalten die Kinder einen Zeitzuschlag. Dies ist
jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. zurück
zur Auswahl der Texte
|